Akademische Publikationen von SoftCare Clinic
Weibliche Genitalverstümmelung
EINLEITUNG
Prävalenz: Betroffen sind 168.000 Frauen in den USA; in einigen afrikanischen Ländern (z. B. Somalia) sind mehr als 96 % der Frauen betroffen.
Definition: Teilweise oder vollständige Entfernung der Labia majora, Labia minora und/oder der Klitoris. Die weibliche Genitalverstümmelung (Beschneidung und Entfernung weiblicher Genitalien) wird häufig aus religiösen Gründen durchgeführt, in der Regel ohne Narkose und unter nicht-sterilen Bedingungen.
Aufgrund der entstehenden Narben kann Geschlechtsverkehr unmöglich gemacht werden. Die Lokalisation und Menge des entfernten Gewebes bestimmen die Art der Infibulation:
- Typ I — Vollständige oder teilweise Entfernung der Klitoris samt bedeckender Haut
- Typ II — Entfernung der Klitoris zusammen mit einem Teil oder der Gesamtheit der Labia majora
- Typ III — Exzision und Vernähung eines Teils oder aller äußeren Genitalstrukturen (Verengung des Vaginaleingangs — Infibulation)
- Typ IV — Entfernung eines Teils der Klitoris und/oder der Schamlippen, mit anschließender Kauterisation und Verschluss der verbleibenden Gewebe samt Umgebung
Weitere Eingriffe an den äußeren Genitalorganen umfassen unter anderem:
Das Zerteilen und Entfernen des Gewebes um den Vaginaleingang (sogenannte Angurya-Schnitte) oder das Setzen eines chirurgischen Schnitts in die Vagina (Gishiri-Schnitt). Das Einbringen ätzender Substanzen oder bestimmter Pflanzen bzw. Gewürze in den Vaginaleingang, um durch Zusammenpressen des Gewebes eine Verengung zu bewirken oder Blutungen zu verursachen. Alle weiteren Verfahren, die zu den oben genannten Zwecken eingesetzt werden können.
Häufigstes Alter: Der größte Teil erfolgt im jungen Mädchenalter (etwa 48.000 Fälle bei unter 18-Jährigen).
Genetik: Kein genetisches Muster vorhanden.
ÄTIOLOGIE UND PATHOGENESE
Ursachen: Elektive Eingriffe, die aus traditionellen oder religiösen Gründen in der Regel ohne Zustimmung und oft ohne Einwilligung an jungen Mädchen durchgeführt werden.
Risikofaktoren: Besonders häufig in bestimmten afrikanischen Ländern sowie im nahöstlichen und asiatischen Kulturraum.
KLINISCHE MERKMALE
Befunde und Symptome: Deutliche Narbenbildung und Deformität der äußeren Genitalstrukturen, häufig komplette Obstruktion des Vaginaleingangs (variiert je nach angewandter Technik und Ausmaß)
- Die Obstruktion kann Amenorrhoe oder Dysmenorrhoe verursachen
- Dyspareunie
- Orgasmusstörung
- Libidostörung
DIAGNOSTISCHER ANSATZ
Differentialdiagnose:
- Verbrennungen im Kindesalter
- Intersexualität
- Hymen imperforatus
Begleiterkrankungen: Dyspareunie, Libidostörungen und Orgasmusstörungen.
Untersuchung und Bewertung
- Labor: Keine Untersuchung erforderlich.
- Bildgebung: Keine Bildgebung erforderlich.
- Spezialtests: Keine.
Diagnostische Verfahren:
- Anamnese und körperliche Untersuchung.
- Pathologische Befunde.
- Deformiertes äußeres Genitalgewebe und grobe Narbenbildung bzw. Fehlen der äußeren Genitalorgane.
MANAGEMENT UND BEHANDLUNG
Nicht-pharmakologisch
- Allgemeine Maßnahmen: Bewertung, Unterstützung und kultursensible Aufklärung.
- Spezielle Maßnahmen: Zur sexuellen Funktion oder Menstruationshygiene kann eine chirurgische Öffnung der Narben oder Verwachsungen im Genitalgewebe erforderlich sein.
- Während der Geburt kann eine vordere Episiotomie erforderlich sein, mit oder ohne Rekonstruktion.
- Ernährung: Keine spezielle Diät erforderlich.
- Aktivität: Keine Einschränkung erforderlich.
Medikamentöse Optionen: Keine.
NACHSORGE
Patientenüberwachung: Reguläre Gesundheitskontrollen werden empfohlen (die zervikale Probenentnahme für die zytologische Untersuchung kann aufgrund der Narbenbildung erschwert sein, gegebenenfalls ist eine chirurgische Revision erforderlich).
Prävention: Familien müssen über die Risiken dieser Praxis bei jungen Mädchen aufgeklärt werden.
Unabhängig vom religiösen oder sonstigen Zweck stehen derartige Praktiken in keinerlei Hinsicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen im Einklang und stellen einen schwerwiegenden Angriff auf die Freiheit und das Leben von Frauen dar.
Personen, die solche Praktiken für notwendig erachten oder durchführen, gelten aus klinischer Sicht als fernab professionellen Handelns.